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Als man noch selbst das Brot gebacken hat

Bis sich einzelne Bäcker im Dorf selbständig machten (siehe Ende dieses Berichtes) und ihren eigenen Laden betrieben, wurde auf den einzelnen Höfen das Brot selbst gebacken. Auf einigen Höfen wurde dies noch bis in die 1960/70er Jahre hinein getan. Besonders in der Nachkriegszeit, als in Beringstedt viele Heimatvertriebene untergekommen sind war dies eine gewichtige Tätigkeit. Gertrud Keller, geb. Nagel, berichtet, dass ihre Familie damals von Helene Sierk einmal pro Woche mit Brot versorgt wurde. Die Familie Nagel war in der Altenteilerkate des Sierk-Hofes untergebracht worden und Gertrud kam, als damals 14-jähriges junges Mädchen, gleich bei Frau Sierk in Stellung. Sie sagte dann: "Ick sech ju dat nur eenmol: Een Brot von dat ganze is för ju." Dieses Angebot wurde dankend angenommen, denn es fehlte ja an allem zu damaliger Zeit. Und weiter wurde das Thema dann auch nicht vertieft.

Auf jedem Hof gab es hierfür ein eigenes Backhaus.

Davor war es üblich, wie es auf dem Bild unten zu sehen ist, dass das Brot in einem -unter freiem Himmel- stehenden Stein-/Lehm-Ofen gebacken wurde. Dieser Ofen war wohl auch frei zugänglich für andere Dorfbewohner, die keinen eigenen Ofen besaßen. Oder es wurde für sie mitgebacken. Diese Tätigkeit übernahmen ganz oft die Altenteiler. Sie hatten die nötige Erfahrung und auch die Zeit dafür, denn es dauerte incl. Vorbereitung einen ganzen Tag.

 Backofen bis 1920

Ob es von diesen Backöfen mehrere in Beringstedt gab ist leider nicht bekannt. Auch nicht wo genau sich dieser befunden hat. Da dieses alte Bild von Hans Christian Wendell zur Verfügung gestellt wurde ist anzunehmen, dass er in der Nähe des alten Wendell-Hofes gestanden hat.

Christiane Wendell hat vor einigen Jahren (in den 1990er Jahren) einmal aufgeschrieben wie es bei so einem Brotbacktag zuging und wie sie es selbst noch in früheren Jahren erlebt hat:

 

Je nach Bedarf wurde Brot gebacken.

Vierzig Brote, vier Weißbrote, Faßkuchen (den gab es mit Fruchtsoße am Backtag zum Mittagessen) sowie Kuchen und Weihnachtsplätzchen.

Am Abend vor dem Backtag wurde der Brotteig in einem Backtrog angesäuert, damit sich ein Sauerteig bildete. Dafür hatte man beim vorherigen Backen etwas abgenommen und stehen gelassen. Morgens früh wurde der Backofen von den Tagelöhnern mit Dornen und altem Holz aufgeheizt. Wir Frauen kneteten den Teig morgens mit Roggenmehl noch einmal durch und formten daraus Brote. Wenn die Hitze im Ofen richtig war, wurde die Glut zur Seite geschoben und man stellte ein Brett mit Broten in den Ofen um es zu „gisseln“ – wie man sagte. Nach kurzer Zeit bekam das Brot eine schöne braune Kruste. War das geschehen, nahm man die Brote heraus und legte sie auf die Brotborde. Nun kamen die nächsten 10 Brote zum Gisseln in den Ofen. Wenn das bei allen Broten geschehen war, wurde die Glut aus dem Ofen entfernt und die Grundfläche mit einem nassen Sack ausgewischt. Danach schob man die Brote wieder in den Ofen und ließ sie 2 Stunden backen. Dann war es fertig. Durch das Gisseln hatte die Kruste einen besonderen Geschmack bekommen. Nachmittags wurde dann das Ofenloch wieder mit Holz voll gelegt, damit es für den nächsten Backtag schön trocken war.


Soweit bekannt gab es in Beringstedt drei selbständige Bäcker. Dies waren:

Bäcker Kühl mit eigenem Laden in der Steinbergstraße  

 Oma von Rolf Kühl Alwine sein Vater Willi und Schwestern Gret  Ein Bild von ca. 1916. Alwine Kühl mit ihren Kindern vor dem Bäckerladen, in dem nicht nur Brot sondern auch andere Kolonialwaren verkauft wurden. An der Hand seiner Mutter, der kleine Willi Kühl, der später den Hof Kühl in der Alten Dorfstraße 3 geführt hat.

In der Nachkriegszeit gab es im gleichen Haus, jedoch mit einem zweiten, anderen Eingang den Bäcker Alfred Schlüter

für die hompage Bäcker Schlüter

Gleichzeitig betrieben Max und Anne Voß in der Steinbergstraße 17/Ecke Schulberg ebenfalls eine eigene Bäckerei mit Verkaufsladen.

Anne und Max Voß   Max Voß und Martha Grewe  Bruhn Meyer Pohlmann Wendrich3

Bild links: Der Verkaufsladen in der Steinbergstraße. Bild mitte: Bäcker Max Voß vor seinem Backofen und als Helferin seine Nachbarin Martha Greve. Bild lrechts: Hinterm Haus ist der Schornstein von der Backstube zu erkennen.