Beringstedter Junggesellen (nachgeborene jüngere Brüder des Hoferben)
(Quelle: Ein Bericht, geschrieben von Otto Bolln, Beringstedter Archiv)
Hoferbe war in der Regel der erstgeborene Sohn. Allderdings galt früher auch einmal das sogenannte Jüngstenrecht. Es erbten damals also entweder der jüngste Sohn oder die jüngste Tochter.
Seit mehreren hundert Jahren konnten nachgeborene Bauernsöhne beim Hoferben auf dem Bauernhof bleiben. Sie mußten sich dann allerdings verpflichten nicht zu heiraten. Diese Junggesellen erhielten dann lebenslang Unterkunft, Verpflegung und ein geringes Taschengeld. Sie waren auf dem Hof meistens eine willkommene Arbeitskraft. Das Sagen und das Entscheiden hatte allerdings ausschließlich der Hoferbe.
Die Möglichkeiten der Einheirat in einen anderen Bauernhof ohne männliche Erben waren nicht so reichlich vorhanden und darum immer schnell erschöpft. Wenn nachgeborene Söhne dennoch heiraten wollten, dann mussten sie in aller Regel den Hof verlassen und sich selbst eine Existenz aufbauen. Sie wurden dann mit etwas Geld und/oder Vieh abgefunden.
Dieses Heiratsverbot auf dem Hof für die nachgeborenen Söhne erschien -aus heutiger Sicht- gewiss hart, war aber dennoch sinnvoll. Man wollte so die Existenz des Hofes erhalten und jegliche Ansprüche von Kindern dieser nachgeborenen Söhne verhindern.
Zu diesen Junggesellen in Beringstedt gehörten:
Martin Wendell Er blieb auf dem Hof seines Bruders Johann Ludwig Wendell. Da Johann Ludwig Wendell kränkelnd aus dem Krieg 1870/71 zurückgekommen war, hatte Martin einen erheblichen Anteil am Regiment auf dem Hof, bis der Sohn von Johann L. (Hans Wendell) dies übernehmen konnte.
Eggert Kaltenbach er blieb ledig (siehe Hofgeschichte `Friedenstraße 7´)
Hans Voss er blieb ledig und wurde im Dorf allgemein `Hans Kaat´ genannt, weil er in der Kate wohnte (Friedenstraße 8 und auch Alte Dorfstraße 8 -bis 1955-). Nachtwächter.
Hans Wohlers er blieb ledig. Als er Vater eines unehelichen Kindes wurde, erhängte er sich, weil er finanziell belangt werden sollte. (Siehe hierzu die Hofgeschichte Wohlers, Im Eck, heute nicht mehr vorhanden.)
Marcus Sachau *1870 +1929. Er war kein Nachgeborener, sondern als einziger Sohn der Hoferbe. Er weigerte sich jedoch eine reiche Bauerntochter zu heiraten, denn er durfte seine Jugendliebe nicht heiraten, weil diese nicht `standesgemäß´ war. So blieb er Junggeselle.
Hierzu gehörten auch die Geschwister Eggert Lucht, Hans Lucht und Lena Lucht
Sie bewirtschafteten gemeinsam den ziemlich großen Hof, der seit mindestens 1740 im Besitz der Familie Lucht war. Da sie keine Nachkommen hatten, ging der Besitz über an Eggert Mehrens. (Seine Frau war eine geborene Holm, ehemaliger Hof in der Alten Dorfstraße.)
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