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Gildefahne Bild für homepage

Die Gilde-Fahne. Sie wurde in mühevoller Handarbeit gestickt von den Beringstedter Frauen: Irmi Jürß (links) und Annemarie Rubien (rechts) 

Ein Bericht zur Beringstedter St.-Vitus-Gilde, geschrieben (2020) von Marlene Sievers:

Die Beringstedter St. Vitus-Gilde wurde 1744 gegründet, zu einem Zeitpunkt, wo Schleswig-Holstein zu Dänemark gehörte. Der König Christian VI war gleichzeitig Herzog der Herzogtümer Schleswig und Holstein, sowie König von Norwegen und Dänemark.

Die St.-Vitus-Gilde wurde in einer Epoche des Wohlstandes gegründet, damit niemand unverschuldet in Not und Armut z. B. durch ein Feuer geriet.

Der Grundsatz der Gilde lautete: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“.

Im Vorstand der Gilde gibt es folgende Vertreter:

  1. Vorsitzenden (Ältermann)
  2. Geschäftsführer/in
  3. Stellvertretende/n Vorsitzende/n

und zusätzlich 3 weitere Vorstandsmitglieder und mindestens 3 weitere Schauleute (Rechnungsprüfer)

Die Gilde hat Kriege, Inflationen und Währungsreformen überstanden, sowie alle Probleme bewältigt. Sie hat sich stets den Bedürfnissen der Gildemitglieder angepaßt.

Heute versichert die St.-Vitus-Gilde selbst: Landwirtschaftliches Inventar, Hausrat und Glas. Sie betreibt außerdem die Vermittlung von Wohngebäude-, Privat-Haftpflicht-, Hunde- und Pferdehaftpflicht-, Unfall-, Kfz-Versicherung und Sterbekassen-Versicherung.

Die Beringstedter Gilde ist, wie andere Gilden auch, dem Verband der Versicherungsvereine angeschlossen. Rückversichert bei Großschäden ist sie bei der Kieler Rückversicherung.

Erste Aufzeichnungen gibt es seit 1892 (Protokollbuch). Jährlich findet eine Kassenprüfung, Vorstandssitzung und Mitgliederversammlung statt und -evtl. falls nötig- eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Die Mitgliederversammlung ist für alle Mitglieder. Sie erhalten dann Informationen zum Geschäftsbericht, den Bericht des Kassenprüfers, es werden Wahlen vorgenommen und Sonstige Anfragen besprochen. Danach gibt es für alle Mitglieder eine Kaffeetafel und später ein gemeinsames Abendessen, wo im Anschluß das neue Königspaar vorgestellt wird und dies dann mit einem gemütlichen Beisammensein endet.

Jedes Jahr wird auf dem Gildefest bei den Frauen eine Gildekönigin durch Fischstechen und bei den Herren ein Gildekönig durch Luftgewehrschießen ermittelt.

Seit dem 15. Juni 1950 durften das erste Mal Frauen an dem Gildefest teilnehmen.

Heute versichert die Gilde in ganz Schleswig-Holstein.

Früher waren die Bezirke der Gilde: Puls, Reher, Schenefeld, Wapelfeld, Hohenwestedt, Remmels, Nindorf, Tappendorf, Nienborstel, Dörpstedt, Todenbüttel, Stelle, Nordhastedt, Seefeld, Lütjenwestedt, Haale und Beringstedt.

Bis 1969 fanden die Mitgliederversammlung und die Gildefeier Mitte Juni statt, danach ab 1970 Ende Mai (wegen der Heuernte wurde hier eine Änderung vorgenommen).

1969 - Zum 225. Gründungstag der Gilde überreichte der Kreisverwaltungsrat Bellmann eine Gildekette. Dort werden seitdem jedes Jahr auf einer kleinen, extra dafür angefertigten kleinen Tafel die Namen der Königin bzw. des Königs eingraviert und so wird die Kette jedes Jahr ein wenig länger. Mittlerweile gibt es eine 2. Kette, da die Erste bereits zu lang und zu schwer geworden ist.

… Evtl ein Bild der Kette einfügen ….

Bis 1984 wurde von der Gilde der Hausrat und das landwirtschaftliches Inventar zum Zeitwert und nur gegen Feuer und Blitz versichert. Hausrat und landw. Inventar wurden einzeln aufgelistet.

Bis etwa 1970 fand eine jährliche Brandschau statt. Ab 1984 wurde die verbundene Hausrat- u. Glasversicherung zum Neuwert versichert, sowie gegen Einbruch/Diebstahl, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Vandalismus, Brand, Blitzschlag, Explosion und Implosion (beim Hausrat).

Als Schaumann war Otto Kröger aus Stelle am längsten (55 Jahre, 1939-1994) tätig. Der Lehrer Max Göttsche war über 30 Jahre Schriftführer der Gilde.

Ab 1986 übernimmt Marlene Sievers die Tätigkeit als erste Geschäftsführerin und stellvertretende Vorsitzende. Sie ist die erste Frau im Vorstand bei allen Gilden in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Schwarzwald und Österreich. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Gilden reine Männersache.

         für hompage Umzug Gilde Osterhof    für homepage Umzug der Gilde

         Umzug der Gilde mit Musikkapelle. Die Königin und der König werden zuhause abgeholt. Hier bei Trede, Osterhof.

        Weil die Beteiligung an diesen Umzügen mit der Zeit immer weniger wurde, hat man diese dann eingestellt.

1. Vorsitzende und Schriftführer der St. Vitus Gilde, lt. Protokollbuch seit 1892
zusammengestellt im Februar 2020 von Marlene Sievers (Geschäftsführerin)  
       
Jahr 1. Vorsitzender Schriftführer / ab 1966 Geschäftsführer  
       
1892 bis 1907 Hinrich Holm C. Thomsen  
1908 Ehler Holm C. Thomsen  
1909 Ehler Holm H. Jürgens  
1911 Ehler Holm N. Nickels (Lehrer)  
1914 Ehler Holm Max Göttsche  
1917 Ehler Holm P. Rohwedder  
1918 Ehler Holm J. Evers  
    Max Göttsche  
1920 Ehler Holm H. Rohwer  
    D. Graf  
1921 Ehler Holm Max Göttsche  
1929 Claus Holm Max Göttsche  
1931 Claus Holm Feldhusen, Langmaack und Claus Mehrens haben alle unterschrieben
1932 Claus Holm Claus Mehrens  
1933 Claus Mehrens Max Göttsche  
1934 Claus Mehrens Max Göttsche  
       
bis 1942 unterschiedliche Unterschriften  
Es ist nicht ersichtlich, wer Vorsitzender und wer Schriftführer war !  
       
1943 Claus Holm Max Göttsche  
1946 Eggert Mehrens    
1948 Eggert Mehrens Max Göttsche (keine Unterschrift) E. Mehrens und Boie haben unterschrieben
1950   Max Göttsche ab 1950 hat er wieder unterschrieben
1963 Hinrich Mehrens Max Göttsche  
1966 Hinrich Mehrens Jürgen Hadenfeld Jürgen H. unterschreibt als Geschäftsführer
  wie vor wie vor da Max Göttsche verstorben ist.
1984 Max Voß Jürgen Hadenfeld  
1986 Max Voß Marlene Sievers Erste Frau im Vorstand !
1994 Hans-Jürgen Kröger Marlene Sievers  
2008 Manfred Wendrich Marlene Sievers  
2013 Hans-Detlef Voß Marlene Sievers  
2017 Jan Bokelmann Marlene Sievers  
       

                

In den Unterlagen, die Herbert Jürß hinterlassen hat, befindet sich die Kopie eines Schulaufsatzes geschrieben von Ilse Lüders am 31.05.1937   (sie wohnte im Pfennigkrug)

Den Inhalt dazu hat sie von Eggert Kaltenbach erzählt bekommen.

Der Text wurde von Gertrud Keller im Jahr 2018 aus der alten deutschen Schrift übersetzt. So kann auch die heutige Generation ihn lesen:

Die Beringstedter St.-Vitus-Gilde

Die Beringstedter St.-Vitus Gilde wurde im Jahr 1744 gegründet. Zuerst wurde sie im Hause von Klaus Bruhn (Friedenstraße 18) gefeiert. Später feierte man sie im Kaltenbachschen Haus (Friedenstraße 7). Johann Kaltenbach wurde Ältermann genannt. Sechs Männer sind im Vorstands: Klaus Wohlers, Beringstedt, Peter Brand, Oldenborstel, Michael Ohmling, Puls, Jürgen Jakob, Seefeld, Markus Haß, Osterstedt, und Lehrer Lindemann als Schriftführer. Die Gildefeier ist jedes Jahr am 15. Juni. Schon 15mal ist sie im Hause Kaltenbach gefeiert worden. An diesem Tag mußte Kaltenbach aus der Feuerversicherung Landesbrandkasse austreten. Das konnte und wollte er nicht. Da wurde die Feier nach Schümanns Gasthof verlegt. Als die Feier noch in Kaltenbachs Haus war, war es ein großes Volksfest. Jung und Alt, alles was Beine hatte, ging zur Gildefeier. Der Saal wurde von Gastwirt Bolln aus Reher geholt. Beim Saallegen helfen lange Jahre Martin Wendell und Jürgen Martens. Abends vorher kamen die jungen Leute, um den Saal zu schmücken. Die Tür schmückte man mit einer Girlande und einem Eierkranz. Jedes junge Mädchen mußte ausgepustete Eier mitbringen. Wenn sie mit der Ausschmückung fertig waren, durften sie bis 12 Uhr (24 Uhr) tanzen. Dann sagte der Hausherr: „So, Kinder, nun müßt ihr wohl nach Hause gehen, damit ihr morgen ausgeschlafen habt“. Morgens um 8 Uhr ging es mit Musik zum Scheibenstand. Geschossen wurde im Ellerrehms-Weg. Die Scheibe stand vor Martin Krögers Holstenkoppel. Der König bekam einen silbernen Löffel. Einer mußte beim Schießstand Schnaps einschenken und Zigarren verteilen. Kaltenbach mußte im Gildehaus bedienen. Jeder der bezahlte bekam einen Schnaps und ein Glas Braunbier. Um 12 Uhr war das Schießen vorbei. Dann wurde der König mit Musik ins Gildehaus gebracht. Jetzt bekamen die sechs Mann Mittagessen. Es gab bunten Mehlbeutel mit Schweinebacke und Mettwurst. Später gab es Ochsenbraten oder frische Suppe. Nach dem Mittag tranken sie Kaffee. Darauf spielten die Musiker zwei Tanzlieder. Den ersten Tanz machten die sechs Mann. Wenn es zu warm wurde, zogen sie ihre Röcke (Jacken) aus. Selbst die alten Leute, die sonst fast gar nicht aus dem Haus kamen, gingen mit zur Gildefeier. Unten auf der großen Diele wurden Tische und Stühle bereitgestellt. Die Hauptkellner waren Klaus Voß, Saar, Jasper Peters und Hans Detlef Ott. Mit dem ersten Hahnenschrei war das schöne Fest vorbei.