Die letzten Bäume der Friedensallee stehen heute nur noch auf dem kurzen Stück zwischen dem ehemaligen Kaufhaus Ruge und dem Ehrenmal auf der einen und dem Hof Seemann und dem Hof Trede auf der anderen Seite. 

Winter Jan 1983 2   Winter Dez 1982 2  Bilder vom Winter 1982/83

Der weitere Verlauf der Friedensallee in Richtung Ortsausgang nach Puls wird auf einer alten Postkarte als Dorfstraße bezeichnet, aufgeteilt in: Vordere Dorfstraße -vom Ehrenmal bis zur Kreuzung beim Hof Solterbeck- und Hintere Dorfstraße -von der Kreuzung Seegensgang/Alte Dorfstr. bis zum Dorfausgang Richtung Puls. Der weitere Verlauf wurde einst auch Königsweg genannt.

      vordere Dorfstraße   Hintere Dorfstraße  Wegweiser ewas undeutlich, aber erkennbar...

Kleines Bild links: Höhe Ehrenmal mit Blick nach Norden - Hof Trede (früher Rosenkranz, Ott)

Kleines Bild Mitte: Höhe Hof Solterbeck mit Blick nach Süden zum Ortsausgang (rechts geht´s in den Seegensgang)

Bild rechts: In der Friedenstr. An der Einmündung zum Seegensgang stand dieser hölzerne 3-armige Wegweiser. Einige Jungs aus dem Dorf benuzten diesen Wegweiser gerne als Klettergerüst (Info aus der Erinnerung von Max Walter Voß)

 

Ein Schüleraufsatz aus der Schulchronik, geschrieben von Anni Grewe am 12.5.1922, abgeschrieben von Max Voß am 24.11.1925, aus der alten deutschen Schrift übersetzt 2018 von Gertrud Keller:

1870-71 war es, als Deutschland den großen Sieg errang. Das ganze Land war voll Begeisterung. Auch hinein in unser Dorf machte dieselbige mit eiligen Schritten. Waren doch auch aus Beringstedt Männer, die den Sieg mit erkämpft hatten. Nun kamen sie heim. Mit leuchtenden Augen. Im Gesicht stand das schöne Wort geschrieben „Sieg“. Lauter fröhliche Herzen nahmen dieses Wort auf. Ja, es war ein großes Ereignis. An diese große Tat wollten die Beringstedter noch lange erinnert bleiben. Aus Siegesfreude und Dankbarkeit pflanzten sie die Friedensallee.

Beringstedt Kaufhaus RugeZu beiden Seiten der Straße bei Herrn Ehler Ruges Hause und Herrn Klaus Ott´s Hause beginnt sie und führt bis zum Spritzenhaus. Alle Bauern im Dorf mußten einen jungen Eichenbaum liefern. Die Tagelöhner und Knechte mußten Löcher graben. Hierin wurde der Baum gesetzt. Beim Spritzenhaus wurden 3 Eichenbäume gepflanzt. Jetzt sind es schon stämmige Eichen. Diese 3 sind von den verstorbenen Bauern Lucht, Ruge und Wendell gepflanzt. Dieselben haben mit ihren Tagelöhnern die jungen Pflänzlinge der Erde anvertraut. Endlich hatten alle Bäume ihren Platz erhalten. Das mühevolle Erinnerungswerk war gelungen. Man hatte 1-2 Tage daran gearbeitet. Eine kleine Feier wurde veranstaltet. Der Tag war herangekommen, an dem die Einweihung vollzogen werden sollte. Der damalige Lehrer Lindemann hielt eine bewegte Rede über Deutschlands Sieg. Er gab zu erkennen, daß das Vaterland hochgestiegen war. Es war den Deutschen gelungen die verhaßten Franzosen zu besiegen. Die größeren Schüler sangen nach der Rede des Lehrers ein Lied. Die jungen Bäume standen stolz da vor der versammelten Gemeinde. Sie streckten ihre Zweige aus als fühlten sie sich schon stark und mächtig und mahnten mit schallender Stimme: Wir wollen ein Andenken sein an die Ruhmesjahre, die dem Deutschen Lande widerfahren sind. Es klang wie ein heiliger Schwur. Sie haben recht gehabt. Ein Andenken an jene Zeit ist die Friedensallee geblieben. Mancher Sturm hat schon seine Macht an den Bäumen erprobt. Doch dieselben stehen fest. Sie wanken nicht. Ihre breiten Kronen neigen sich zueinander und flüstern sich von dem ruhmvollen Tag, den Deutschland erlebt hat, ins Ohr. Es war eine schöne Zeit. Wir wollen hoffen, daß unser Vaterland auch jetzt wieder hochkommt und wir einen solchen Freudentag feiern können wie 1871.

aufgeschrieben von Otto Bolln

In einer Deutung alter Flurnamen wird der Name Seegen wie folgt aufgeführt: 

Segen                auch Seggen, Sehn oder Seden = niedriges im Sommer austrocknende sonst aber eher mit Wasser gefüllte Stellen im Ackerland. Im Sommer Wiesen, seichte Grasstellen auf denen Gras gemäht werden kann. Segen = auch niedersinken.

                         Der Name hat somit nichts mit der kirchlichen Bedeutung Seegen zu tun. Er beschreibt lediglich die einstigen Begebenheiten in diesem Flurgebiet.

 

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Straßenverhältnisse keinesfalls ideal. Sie besserten sich erst, als die kurven-, steigungs- und neigungsreiche Straße Barlohe-Beringstedt-Gokels im Jahr 1864 von der Provinzialverwaltung als geschotterte Chaussee erbaut wurde, wo vorher nur unbefestigte Sandwege vorhanden waren. 1923 wurde die Straße wesentlich verbessert, heute ist sie eine Asphaltstraße.

Der 9 Kilometer lange Weg über Puls zum zuständigen Kirchort Schenefeld blieb für die Kirchenbesucher aus Beringstedt eine Qual, besonders in Regenzeiten und im Winter. Das änderte sich erst, als 1863 in Todenbüttel eine Kirche erbaut wurde, Beringstedt aus dem Kirchspiel Schenefeld ausschied und der Weg dorthin an Bedeutung verlor.

Zwischen dem Weg nach Puls (Friedenstraße) und der Straße nach Seefeld (Seegen) befand sich ein kleines Moorgebiet, durch das ein Pfad für Fußgänger führte. 1776 wurde dieser Gang passierbar gemacht und die vom Torfabbau herrührenden Moorkuhlen, die hier rechts und links vorhanden waren, wurden zum Westflan hin entwässert und 1840 bis ´50 aufgefüllt. Der Flurname `Moor´ hat sich noch lange erhalten für die Weiden, die heute zu den Höfen Mehrens (früher Lucht), Voß und Hadenfeldt (heute Solterbeck) gehören. In der Zeit von 1885 bis 1900 wurde der `Gang´, dessen Namen sich bis heute erhalten hat (Seegensgang), zur festen Straße und ist heute asphaltiert.                                     

                                                Wegweiser

Bei Jürgen Hadenfeldt´s Haus (Friedenstr./Seegensgang, heute Solterbeck) stand ein dreiarmiger Wegweiser, dessen Arme den Weg nach Schenefeld, Hanerau und Rendsburg zeigten und entsprechend beschriftet war. Wir haben als Knaben oft auf diesem Wegweiser gesessen, bis die Weiser abbrachen und der Pfahl umstürzte. Er war unseren vereinten Turnübungen nicht mehr gewachsen.

Der Zustand der in die Feldmark führenden Wege war früher ebenfalls katastrophal: Im Sommer sandig und staubig, in Regenzeiten meistens nur mit hohen Stiefeln passierbar. Besonders der Weg zum Teinkamp (Klempen), zum Bär- und Schwienskamp und nach Ostermühlen. Es dauerte lange, bis ihr Zustand endlich in dörflicher Gemeinschaftsarbeit verbessert wurde.

Ein Bild von der Straße Seegen mit Blick in den Weg Mückenhörn

Seegen Mückenhörn

Hier stand einst eine Doppeleiche auf dem Dreieck.

Und (umgekehrt) der Blick vom Mückenhörn in Richtung Seegen, Hof Wendell.

Diareihe 2 041

... und von Seefeld kommend Richtung Steinbergstraße

Seegen 1  

Ebenfalls die Straße Seegen, Höhe der letzten Häuser am Ortsausgang Richtung Seefeld, mit Blickrichtung Osten

Diareihe 6 042  

Diese Bilder wurden Anfang der 1960er vom Dorflehrer Ehlers aufgenommen und im Febr. 2019 von seinem Sohn Rolf zur Verfügung gestellt.

Hier am Ortsausgang von Beringstedt Richtung Puls gab es auf dem Fohrsberg einst Hünengräber. Bei Arbeiten am Wegausbau nach Puls wurde Ende des 19. Jrh. der große Abdeckstein als Denkmal für den deutschen Kaiser Wilhelm I ins Dorf gebracht und hier aufgestellt. 1972 wurden diese Hünengräber archäologisch untersucht. Bevor die Straße ausgebaut wurde gab es hier nur Fuhrten durch die damals sogenannte Mühlenbek (Fohrsau).

detailierter Lageplan